Terminerinnerung per SMS vor dem Eingriff: was Studien zeigen
Viele Spitäler und Praxen erinnern per SMS an Termine. Was ist dazu belegt – und wo hören die Belege auf?
Wirkung auf verpasste Termine
Die bekanntesten Studien stammen aus der Schweiz. An den Universitätsspitälern Genf wurden Patientinnen und Patienten einer ambulanten Sprechstunde zufällig einer Gruppe mit oder ohne abgestufte Erinnerung zugeteilt. Die Quote verpasster Termine sank von 11.4 auf 7.8 Prozent – rund ein Drittel weniger (Junod Perron et al. 2010, 2 123 Patientinnen und Patienten). Von den abgesagten Terminen konnten 28 Prozent neu vergeben werden.
In einer zweiten Studie derselben Gruppe mit 6 450 Terminen wirkte eine SMS gleich gut wie ein Telefonanruf (Junod Perron et al. 2013) – bei einem Bruchteil des Personalaufwands.
Beide Studien stammen aus der ambulanten Sprechstunde. Für Operationen gibt es weniger und kleinere Studien. Die Wirkung lässt sich deshalb nicht eins zu eins übertragen.
Wie Patientinnen und Patienten SMS erleben
- Vor einer ambulanten Augenoperation (Universitätsspital Toulouse, 192 Patientinnen und Patienten mit SMS): Zufriedenheit 9.3 von 10 Punkten; 98.7 Prozent fanden die SMS hilfreich, um die Anweisungen von Chirurgie und Anästhesie zu befolgen (Grange et al. 2024).
- In der Genfer Sprechstunde fanden 98.4 Prozent der Befragten die SMS-Erinnerung nützlich; 0.5 Prozent fühlten sich gestört (Junod Perron et al. 2013, Umfrage mit 373 Antwortenden).
- In der ambulanten Chirurgie eines französischen Universitätsspitals gaben 91 Prozent von 2 228 Patientinnen und Patienten mit SMS eine Zufriedenheit von 7 oder mehr von 10 an. Die SMS kosteten etwa halb so viel wie Telefonanrufe (Peuchot et al. 2020).
Die Grenze: Eine SMS allein reicht nicht
In der Studie von Peuchot und Kollegen gab es in der SMS-Gruppe sogar etwas mehr Absagen am OP-Tag als in der Telefongruppe (3.66 gegenüber 2.24 Prozent). Und in Toulouse hielten sich Patientinnen und Patienten mit und ohne SMS gleich gut an die Anweisungen (Grange et al. 2024).
SMS werden also geschätzt. Ob sie Ausfälle verhindern, hängt davon ab, was drinsteht, wann sie kommen und was das Spital mit den Antworten macht.
Was eine gute SMS vor dem Eingriff ausmacht
- Absender sofort erkennbar, mit Anrede und in ganzen Sätzen – kein Telegrammstil.
- Eine klare Handlung: bestätigen, absagen oder eine Frage stellen.
- Der richtige Zeitpunkt: früh genug, dass eine Absage noch genutzt werden kann.
- Verständlich und wenn möglich in der Sprache der Person.
- So wenig Gesundheitsangaben wie möglich. Eine SMS ist kein Kanal für Diagnosen.
- Ein Mensch übernimmt, wenn jemand nicht antwortet oder Fragen hat.
Quellen
- Junod Perron N, Dao MD, Kossovsky MP et al. Reduction of missed appointments at an urban primary care clinic: a randomised controlled study. BMC Family Practice 2010;11:79.
- Junod Perron N, Dao MD, Righini NC et al. Text-messaging versus telephone reminders to reduce missed appointments in an academic primary care clinic: a randomized controlled trial. BMC Health Services Research 2013;13:125.
- Grange et al. Journal Français d’Ophtalmologie 2024. Studie zu automatisierten SMS vor ambulanter Kataraktchirurgie, CHU Toulouse. PubMed 39644866
- Peuchot H et al. JMIR mHealth and uHealth 2020;8(9):e14346. Studie zu SMS gegenüber Telefonanruf vor und nach ambulanter Chirurgie, französisches Universitätsspital. mhealth.jmir.org